Freitag, 22. Januar 2021
Tagebuchbloggen 22.01.2021
Wäre ich abergläubisch, könnte ich meinen, dass ich gestern nicht so laut hätte verkünden sollen, wie entspannt die Situation grade ist. Denn prompt wachte gestern Abend das Kind gegen 22 Uhr mit einem Hustenanfall auf, der 10 Minuten dauerte und fast bis zum Erbrechen führte. Ich schlief dann beim Kind und hatte folglich eine sehr unruhige Nacht, weil der Kleine immer wieder im Schlaf gehustet hat (wenn auch nicht mehr so schlimm wie an dem Abend).

So war natürlich an Kita nicht zu denken, auch wenn das Kind kein Fieber hat, sonst keine Symptome und recht fit wirkt. Also Kita für heute abgesagt, Chef Bescheid gegeben. Der meinte übrigens "ach, heute ist doch eh nur ein halber Tag, Sie können das auch am Wochenende oder heute Abend nacharbeiten wenn Sie wollen, dann müssen Sie dafür nicht extra einen Kindkranktag einsetzen. Es ist ja im Moment eh nichts Dringendes". Okay, das ist nett.

Dann Kinderarzt angerufen. Anrufbeantworter, er hat Urlaub. Vertretungspraxis angerufen, Termin für 9.30 Uhr bekommen. Bei diesem Arzt waren wir noch nicht, und es wird auch heute das erste und das letzte Mal gewesen sein. Erste Irritation: Brav gehe ich an den Eingang wo "bei ansteckenden Krankheiten" dran steht. Stirnrunzelnd macht mir die Arzthelferin auf und sagt "Sie können ruhig zum Haupteingang." Ich so "Öhm, der hustet?!" Sie augenrollend "ach, das macht nichts". Äh ja okay.

Bevor der Arzt kommt, nimmt eine Helferin die Infos auf. Sehr ausführlich beschreibe ich, was los war und wie der Kleine sonst wenn er krank ist so drauf ist - schließlich kennen die mein Kind ja gar nicht. Als der Arzt kommt, traue ich meinen Augen nicht: Er trägt als Maske lediglich einen dünnen Baumwollbuff über Mund und Nase gezogen. Er liest sich die Infos auf dem Bildschirm durch und sagt dann zu meinem Kind "Na dann wollen wir mal Deine panische Mama beruhigen" und zu mir spöttisch-gönnerhaft "Ihr erstes Kind, oder?" Innerlich kocht mir schon das Kaffeewasser und ich sage ruhig "so eine Symptomatik hatte mein Kind noch nie, er besucht eine Kita, da muss so ein Husten - insbesondere in Coronazeiten - abgeklärt werden. Ich geh ja schließlich nicht zum Spaß mit ihm hierher".

Die Stimmung im Raum kühlt sich merklich ab. Er untersucht den Kleinen, hört ihn überall ab, guckt in Ohren, Rachen. Dabei redet er überhaupt nicht mit dem Kind und erklärt nicht, was er da macht. Das muss ich dann tun, weil das Kind das (verständlicherweise) doof findet, sich wegdrehen und wegwinden will. Ich erkläre dem Kleinen beruhigend, was der Arzt grade macht und halte dabei seine Hand, was auch mit Augenrollen quittiert wird.

Als hätte ich das wissen müssen, erklärt mir der Arzt, dass das Kind eindeutig Pseudokrupp hat mit ganz typischer Symptomatik. Dunkel erinner ich mich, dass das mal Thema beim Erste-Hilfe-Kurs für Kinder war, den ich in der Schwangerschaft gemacht hatte. Wir kriegen Anweisungen sowie Notfallcortisonzäpfchen für den Fall, dass er nochmal so einen schlimmen Anfall haben sollte. Als ich das kommentiere mit "ah, dann war es wohl doch gut, dass wir vorbeigekommen sind, sowas habe ich schließlich nicht zu Hause" sinkt die Laune beim Arzt noch mehr. Richtig gereizt sagt er "ich schreibe Ihnen noch ein homöopathisches Mittel auf, das beugt vor", worauf ich antworte, dass ich von Placebos überhaupt nichts halte und er sich die Mühe sparen kann. Die Stimmung im Raum nähert sich sibirischen Verhältnissen. "Ihr Rezept liegt dann vorne!!!" verkündet er und rauscht hinaus. Okay.

Ich sehe ein, dass es wahrscheinlich wenig Sinn macht, in dieser Praxis nach einem Coronatest zu fragen. Wir holen bei der Apotheke das Rezept für die Cortisonzäpfchen und fahren nach Hause. Da lese ich im Internet über Pseudokrupp nach. Es passt schon absolut zu dem, was das Kind hat, besonders das Hustengeräusch. Ich denke, dass die Diagnose schon richtig ist, auch wenn ich den Arzt ansonsten nicht besonders vertrauenswürdig fand.

Wir ziehen uns wetterfest an, weil das Kind auf den Spielplatz gehen will. Kalte, feuchte Luft wird ja absolut empfohlen - da sind 3°C und Nieselregen grade richtig. Über eine Stunde sind wir draußen. Das Kind läuft, klettert, rutscht und schaukelt. Es hustet dabei kein einziges Mal.

Zur Mittagszeit sind wir zurück. Der Kleine isst eine große Portion Gnocchi mit gekochten Paprika und Zucchini in Frischkäse-Tomatensauce, zum Nachtisch Joghurt mit Blaubeeren. Da ich absolut fertig bin, bespaßt der Mann in seiner Mittagspause den Kleinen, damit ich mich eine halbe Stunde hinlegen kann.

Das hilft dann auch. Nachmittags darf das Kind fernsehen, wir backen zusammen Kekse, spielen, lesen. Als der Mann Feierabend macht, gehen wir noch alle zusammen raus, der Kleine auf dem Fahrrad. Im Anschluss drehe ich noch eine kurze Runde alleine und finde dabei erfreulicherweise in mir das Gefühl des inneren Friedens wieder, das ich gestern erleben durfte.

Nach dem Abendessen verwandel ich das Badezimmer in ein Dampfbad, in der Hoffnung dass das gegen den Husten hilft. Wir baden das Kind, mein Mann bringt ihn grade ins Bett. Wäre schön, wenn die Nacht ohne Pseudokruppanfall verläuft und wir das Notfallzäpfchen nicht brauchen.

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Donnerstag, 21. Januar 2021
Tagebuchbloggen 21.01.2021
Ein Home-Office-Tag, der Laptop stand gestern bereit. Ausschlafen bis halb acht, die Fahrt ins Büro entfällt, das Zurechtmachen ebenso.

Um mich herum ist es still. Der Mann arbeitet oben mit geschlossener Türe. Der Kleine ist in der Kita. Ich unterdrücke das schlechte Gewissen, das ich deswegen habe. Sie ist ungewohnt, diese Stille. Ganz alleine in einem Zimmer über mehrere Stunden. Raum um mich herum. Ruhig und konzentriert kann ich meine Arbeit erledigen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so lange alleine so viel Stille und Raum um mich herum hatte. Es ist unglaublich wohltuend.

In der Mittagspause gehe ich laufen. Der Sturm hat sich gelegt, es ist nur noch windig. Der Himmel ist blau, Sonne spiegelt sich auf den schmelzenden Eisschollen. Es liegt ein Hauch von Frühlingsvorbote in der Luft. Ich merke, wie die Anspannung der letzten Monate, nein, der letzten Jahre von mir abfällt. Für einen kurzen Moment fühle ich wieder eine Perspektive, eine Hoffnung, das alles wieder gut sein wird.

Zu Hause angekommen ist es immer noch still, mein Mann macht Mittagsschlaf. Im Flur stutze ich kurz, als ich am Spiegel vorbeigehe. Ganz bewusst sehe ich hinein.

In den letzten Monaten habe ich es vermieden, mich anzuschauen. Zu oft konnte ich mich im Spiegel nicht mehr wiederfinden, wollte nicht in dieses müde, abgezehrte, bleiche Gesicht sehen.

Heute ist das anders. Zerzaust, mit roten Wangen und der neuen Brille (wahrscheinlich das für mein Gesicht beste Gestell, das ich in den letzten 15 Jahren hatte) staune ich. Ja, das bin wieder ich. So gefalle ich mir wieder. So kann ich hoffentlich wieder zu mir selbst zurück finden.

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Mittwoch, 20. Januar 2021
Tagebuchbloggen 19.01.2021
Okaye Nacht gehabt, leider um halb sechs aufgewacht und dann nach dem obligatorischen Badbesuch nicht mehr richtig eingeschlafen. Das Kind ist sehr aufgeregt, es zieht heute "offiziell" komplett in den Kindergarten um. Das hatte es Montag beschlossen, weswegen ich dann noch abends spontan einen Kuchen backen musste, damit der Abschied auch richtig gefeiert werden kann (man macht was mit). Dank Küchenmaschine und Multikocher hält sich der Aufwand in Grenzen, es gibt einen einfachen Rührteigkuchen, Schokoguss und Zuckerperlen drauf, fertig. Der Mann erzählt mir später, dass der Kleine darauf bestanden hat, den Kuchen selber in die Gruppe zu tragen. Das ging dank des Tortencontainers mit Griff auch unfallfrei.

Im Büro langer Tag, da Dienstleistungsdienstag. Im Rathaus herrscht helle Aufregung, da schon durchsickert, dass alle Arbeitgeber dazu verpflichtet werden sollen, da wo es geht Home Office zu ermöglichen. In unserer Abteilungsbesprechung werden die Modalitäten beschlossen: Meine Kollegin und ich (wir sitzen in einem Büro) werden uns wochenweise abwechseln und bekommen für den Zweck das allgemeine Laptop zur Verfügung gestellt. Für mich wurde zwar schon im November ein Laptop bestellt, das ist aber noch nicht geliefert worden.

Ich finde das äußerst sinnvoll. Meine Kollegin und ich haben zwar eine Plexiglastrennscheibe und lüften, aber das ist nicht das Wahre und Kontakte reduzieren wo es ohne Not geht ist überfällig. Insbesondere, da meine Kollegin jeden Tag ihre 90-jährige Mutter versorgt. Ich freue mich, dass das Frieren dann auch ein Ende hat, denn meine Kollegin nimmt das Lüften sehr ernst und der Raum wird für meinen Geschmack bei der momentanen Wetterlage nicht mehr warm genug. Laufende Baustellen haben wir derzeit nur eine, die hat noch mindestens diese Woche Schlechtwetter. Die übrige Arbeit lässt sich ohne Weiteres von zu Hause aus machen.

Ich friere noch in zwei weiteren Terminen. Zwei Anwohner hatten Rückfragen, die sich nur in persönlichem Gespräch klären ließen. Im Besprechungsraum sitzen wir weit auseinander mit Masken und lüften natürlich wieder, was das Zeug hält.

Kurz vor 19 Uhr bin ich zu Hause und ziemlich müde. Ich esse mit dem Mann zu Abend und bringe den Kleinen ins Bett. Dann trinke ich entgegen meiner Regeln ein Bier und gucke auf Servus TV einen französischen Film. Der lässt mich ein bisschen über kulturelle Unterschiede in Bezug auf das Mutter-Rollenbild in der Gesellschaft nachdenken.

Leicht vom Bier beduselt dusche ich nach dem Film, dabei hoffe ich, alle Schritte der curly girl Methode richtig zu berücksichtigen. Ich habe nämlich vor einigen Tag, inspririert von Pia ein Experiment gestartet. Momentan finde ich, es sieht eher noch ein bisschen ungekämmt aus. Aber es ist unverkennbar, dass meine Haare doch im Urzustand wesentlich gelockter sind als ich gedacht hätte. Licht aus um halb elf.

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