Montag, 25. Januar 2021
Tagebuchbloggen 24.01.2020
Sonntag, ich darf ausschlafen, der Mann hat Nachtschicht. Nachdem ich zwei Nächte sehr wenig und unruhig geschlafen hatte, weil der Kleine Pseudo-Krupp-Anfälle hatte, mache ich in der Nacht zu Sonntag die Schlafzimmertür zu und nehme Ohrstöpsel. Ich schlafe 10,5 Stunden tief und ruhig. War auch sehr nötig.

Das Kind hatte laut Auskunft meines Mannes einen größeren Hustenanfall gegen 23 Uhr, der Rest der Nacht verlief recht ruhig. Wir frühstücken zusammen, das Kind wirkt auf mich recht fit und gut gelaunt. Nach dem Frühstück spielen wir zusammen, dann gehe ich eine Runde laufen.

Unterwegs treffe ich eine Bekannte mit ihrer kleinen Tochter. Wir kennen uns aus dem Schwangerschaftsyoga. Beim Plaudern stellt sich heraus, dass sie im siebten Monat schwanger ist, was ich erst gar nicht gesehen hatte, da sie sehr sehr schlank ist und eine dicke Winterjacke trägt (war auch in ihrer ersten Schwangerschaft so). Ich freue mich für sie und wir reden über Kinderbetreuung, Corona, etc. Sie erzählt, dass sie sich an ihrem Arbeitsplatz nicht sicher gefühlt hatte, da ihr Chef wohl der Meinung war, Corona gäbe es nicht und es überhaupt keine Schutzmaßnahmen gab. Leider hat sich auch ihre Frauenärztin sehr lange geweigert, ihr unter diesen Umständen Beschäftigungsverbot auszusprechen. Soviel zum Umgang mit der Pandemie in deutschen Unternehmen. Wir nehmen uns vor, uns mal wieder zu treffen wenn die Pandemie rum ist.

Während des ganzen Gesprächs stand ihr Töchterlein ganz ruhig daneben, teils an der Hand der Mutter, teils friedlich in der Pfütze patschend. Ich muss darüber schmunzeln, mein Kind hätte wahrscheinlich nach 5 Minuten versucht, dazwischen zu quaken, meine Aufmerksamkeit zu erregen oder irgendeinen Unsinn angefangen. Aber die Tochter der Bekannten war schon seitdem sie ein Baby ist sehr ruhig und tiefenentspannt, ganz wie ihre Eltern.

Während ich weiter laufe, muss ich denken, dass ich ein bisschen neidisch bin. Manchmal wünsche ich mir auch ein zweites Kind. Aber unter unseren Rahmenbedingungen wäre das einfach nicht stemmbar. Meine Bekannte hat sowohl ihre Eltern als auch ihre Schwiegereltern ganz in der Nähe wohnen, alle sind gesundheitlich fit, in Rente und kümmern sich nur zu gerne auch mal um ihr Enkelkind. Dazu kommt eben noch, dass die Tochter meiner Bekannten wirklich ein sehr ruhiges und pflegeleichtes Kind ist, das gar nicht erst auf so lustige Ideen kommt wie mein Kleiner (z.B. an Herdknöpfen zu drehen, Schubladen aufzumachen und hochzuklettern, die Klobürste ins Klo zu tunken und damit dann fröhlich schwenkend durchs Haus zu laufen, ...). Auch angesichts meiner depressiven Episoden wäre einfach nicht daran zu denken, noch ein Baby zu bekommen. Angesichts des Umgangs mit Eltern in der Pandemie schonmal noch mehr nicht.

Es ist bei uns schon okay so, wie es ist - ein bisschen Wehmut bleibt dennoch.

Zu Hause zurück gehe ich duschen und kure dabei meine Haare. Hinterher merke ich, dass das wahrscheinlich zu viel des Guten war und zu sehr beschwert, denn die Locken wollen sich nicht mehr so zeigen wie noch am Vortag. Macht nichts, wieder was gelernt.

Wir essen zu Mittag, dann legt sich der Mann hin. Ich spiele solange mit dem Kind, später gehe ich mit ihm raus. Wir spielen in den Schneeresten und machen einen kleinen Spaziergang.

Abends gibt es nochmal ein Dampfbad für den Kleinen. Er hat tagsüber sehr selten gehustet, und der Husten klang auch anders - lockerer, ein bisschen feuchter, nicht mehr so bellend. Wir hoffen, dass sich das mit dem Pseudokrupp vielleicht jetzt erledigt hat.

Den Abend verbringe ich mit einem Buch auf der Couch, der Mann guckt einen Krimi. Um 22 Uhr gehe ich schlafen. Bis dahin war vom Kind erfreulicherweise kein Mucks zu hören, die Nacht wird ohne Hustenanfall sehr ruhig für alle.

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Freitag, 22. Januar 2021
Tagebuchbloggen 22.01.2020
Wäre ich abergläubisch, könnte ich meinen, dass ich gestern nicht so laut hätte verkünden sollen, wie entspannt die Situation grade ist. Denn prompt wachte gestern Abend das Kind gegen 22 Uhr mit einem Hustenanfall auf, der 10 Minuten dauerte und fast bis zum Erbrechen führte. Ich schlief dann beim Kind und hatte folglich eine sehr unruhige Nacht, weil der Kleine immer wieder im Schlaf gehustet hat (wenn auch nicht mehr so schlimm wie an dem Abend).

So war natürlich an Kita nicht zu denken, auch wenn das Kind kein Fieber hat, sonst keine Symptome und recht fit wirkt. Also Kita für heute abgesagt, Chef Bescheid gegeben. Der meinte übrigens "ach, heute ist doch eh nur ein halber Tag, Sie können das auch am Wochenende oder heute Abend nacharbeiten wenn Sie wollen, dann müssen Sie dafür nicht extra einen Kindkranktag einsetzen. Es ist ja im Moment eh nichts Dringendes". Okay, das ist nett.

Dann Kinderarzt angerufen. Anrufbeantworter, er hat Urlaub. Vertretungspraxis angerufen, Termin für 9.30 Uhr bekommen. Bei diesem Arzt waren wir noch nicht, und es wird auch heute das erste und das letzte Mal gewesen sein. Erste Irritation: Brav gehe ich an den Eingang wo "bei ansteckenden Krankheiten" dran steht. Stirnrunzelnd macht mir die Arzthelferin auf und sagt "Sie können ruhig zum Haupteingang." Ich so "Öhm, der hustet?!" Sie augenrollend "ach, das macht nichts". Äh ja okay.

Bevor der Arzt kommt, nimmt eine Helferin die Infos auf. Sehr ausführlich beschreibe ich, was los war und wie der Kleine sonst wenn er krank ist so drauf ist - schließlich kennen die mein Kind ja gar nicht. Als der Arzt kommt, traue ich meinen Augen nicht: Er trägt als Maske lediglich einen dünnen Baumwollbuff über Mund und Nase gezogen. Er liest sich die Infos auf dem Bildschirm durch und sagt dann zu meinem Kind "Na dann wollen wir mal Deine panische Mama beruhigen" und zu mir spöttisch-gönnerhaft "Ihr erstes Kind, oder?" Innerlich kocht mir schon das Kaffeewasser und ich sage ruhig "so eine Symptomatik hatte mein Kind noch nie, er besucht eine Kita, da muss so ein Husten - insbesondere in Coronazeiten - abgeklärt werden. Ich geh ja schließlich nicht zum Spaß mit ihm hierher".

Die Stimmung im Raum kühlt sich merklich ab. Er untersucht den Kleinen, hört ihn überall ab, guckt in Ohren, Rachen. Dabei redet er überhaupt nicht mit dem Kind und erklärt nicht, was er da macht. Das muss ich dann tun, weil das Kind das (verständlicherweise) doof findet, sich wegdrehen und wegwinden will. Ich erkläre dem Kleinen beruhigend, was der Arzt grade macht und halte dabei seine Hand, was auch mit Augenrollen quittiert wird.

Als hätte ich das wissen müssen, erklärt mir der Arzt, dass das Kind eindeutig Pseudokrupp hat mit ganz typischer Symptomatik. Dunkel erinner ich mich, dass das mal Thema beim Erste-Hilfe-Kurs für Kinder war, den ich in der Schwangerschaft gemacht hatte. Wir kriegen Anweisungen sowie Notfallcortisonzäpfchen für den Fall, dass er nochmal so einen schlimmen Anfall haben sollte. Als ich das kommentiere mit "ah, dann war es wohl doch gut, dass wir vorbeigekommen sind, sowas habe ich schließlich nicht zu Hause" sinkt die Laune beim Arzt noch mehr. Richtig gereizt sagt er "ich schreibe Ihnen noch ein homöopathisches Mittel auf, das beugt vor", worauf ich antworte, dass ich von Placebos überhaupt nichts halte und er sich die Mühe sparen kann. Die Stimmung im Raum nähert sich sibirischen Verhältnissen. "Ihr Rezept liegt dann vorne!!!" verkündet er und rauscht hinaus. Okay.

Ich sehe ein, dass es wahrscheinlich wenig Sinn macht, in dieser Praxis nach einem Coronatest zu fragen. Wir holen bei der Apotheke das Rezept für die Cortisonzäpfchen und fahren nach Hause. Da lese ich im Internet über Pseudokrupp nach. Es passt schon absolut zu dem, was das Kind hat, besonders das Hustengeräusch. Ich denke, dass die Diagnose schon richtig ist, auch wenn ich den Arzt ansonsten nicht besonders vertrauenswürdig fand.

Wir ziehen uns wetterfest an, weil das Kind auf den Spielplatz gehen will. Kalte, feuchte Luft wird ja absolut empfohlen - da sind 3°C und Nieselregen grade richtig. Über eine Stunde sind wir draußen. Das Kind läuft, klettert, rutscht und schaukelt. Es hustet dabei kein einziges Mal.

Zur Mittagszeit sind wir zurück. Der Kleine isst eine große Portion Gnocchi mit gekochten Paprika und Zucchini in Frischkäse-Tomatensauce, zum Nachtisch Joghurt mit Blaubeeren. Da ich absolut fertig bin, bespaßt der Mann in seiner Mittagspause den Kleinen, damit ich mich eine halbe Stunde hinlegen kann.

Das hilft dann auch. Nachmittags darf das Kind fernsehen, wir backen zusammen Kekse, spielen, lesen. Als der Mann Feierabend macht, gehen wir noch alle zusammen raus, der Kleine auf dem Fahrrad. Im Anschluss drehe ich noch eine kurze Runde alleine und finde dabei erfreulicherweise in mir das Gefühl des inneren Friedens wieder, das ich gestern erleben durfte.

Nach dem Abendessen verwandel ich das Badezimmer in ein Dampfbad, in der Hoffnung dass das gegen den Husten hilft. Wir baden das Kind, mein Mann bringt ihn grade ins Bett. Wäre schön, wenn die Nacht ohne Pseudokruppanfall verläuft und wir das Notfallzäpfchen nicht brauchen.

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Donnerstag, 21. Januar 2021
Tagebuchbloggen 21.01.2020
Ein Home-Office-Tag, der Laptop stand gestern bereit. Ausschlafen bis halb acht, die Fahrt ins Büro entfällt, das Zurechtmachen ebenso.

Um mich herum ist es still. Der Mann arbeitet oben mit geschlossener Türe. Der Kleine ist in der Kita. Ich unterdrücke das schlechte Gewissen, das ich deswegen habe. Sie ist ungewohnt, diese Stille. Ganz alleine in einem Zimmer über mehrere Stunden. Raum um mich herum. Ruhig und konzentriert kann ich meine Arbeit erledigen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so lange alleine so viel Stille und Raum um mich herum hatte. Es ist unglaublich wohltuend.

In der Mittagspause gehe ich laufen. Der Sturm hat sich gelegt, es ist nur noch windig. Der Himmel ist blau, Sonne spiegelt sich auf den schmelzenden Eisschollen. Es liegt ein Hauch von Frühlingsvorbote in der Luft. Ich merke, wie die Anspannung der letzten Monate, nein, der letzten Jahre von mir abfällt. Für einen kurzen Moment fühle ich wieder eine Perspektive, eine Hoffnung, das alles wieder gut sein wird.

Zu Hause angekommen ist es immer noch still, mein Mann macht Mittagsschlaf. Im Flur stutze ich kurz, als ich am Spiegel vorbeigehe. Ganz bewusst sehe ich hinein.

In den letzten Monaten habe ich es vermieden, mich anzuschauen. Zu oft konnte ich mich im Spiegel nicht mehr wiederfinden, wollte nicht in dieses müde, abgezehrte, bleiche Gesicht sehen.

Heute ist das anders. Zerzaust, mit roten Wangen und der neuen Brille (wahrscheinlich das für mein Gesicht beste Gestell, das ich in den letzten 15 Jahren hatte) staune ich. Ja, das bin wieder ich. So gefalle ich mir wieder. So kann ich hoffentlich wieder zu mir selbst zurück finden.

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