Sonntag, 10. Januar 2021
Tagebuchbloggen 10.01.2021
Gut geschlafen, um halb neun bin ich dabei, von selber darüber nachzudenken aufzuwachen - da kommt schon der Mann rein und weckt mich. Frühstück und Kaffee sind fertig. Der Mann (er hatte die Nachtschicht, sonntags darf ich immer ausschlafen) ist seit halb sieben mit dem Kind auf.

Er fühlt sich leider müde und abgeschlagen. Mitte Dezember hatte er einen schwach positiven Coronatest, und eigentlich keine Symptome. Jetzt aber fühlt er sich öfters schlapp und klagt über Kopf- und Gelenkschmerzen. Ein Blutbild, das im Rahmen der Arbeitssicherheit gemacht wurde zeigte leichte Auffälligkeiten, die auf entzündliche Prozesse hindeuten. Außerdem ist sein Hämoglobinwert zu niedrig. Wir nehmen an, dass es eine Spätfolge der Coronainfektion ist. Er wird morgen zur weiteren Abklärung zum Hausarzt gehen und sich zudem für eine Woche krankschreiben lassen. Hoffentlich gibt sich das mit etwas Ruhe von selber. Ich kenne solche Müdigkeitszustände nach Viruserkrankungen, hatte ich jedesmal nach Influenza und auch letztes Jahr, nachdem ich Gürtelrose hatte. Gab sich mit Ruhe auch irgendwann von selber.

Ich fühle mich heute absolut bombig. Nach dem Mittagessen legt sich der Mann hin, ich gehe mit dem Kind raus. Erst will er nicht, aber die Aussicht auf den Spielplatz zu gehen ist doch Anreiz genug. Er wünscht sich, mit dem Laufrad hinzufahren. Das ist angesichts der Entfernung (einfacher Weg 2 km) und der teils leicht vereisten Strecke eine gute Idee. Mit dem Fahrrad wär es doch zu rutschig gewesen, zu Fuß für ihn zu weit.

Im dem Wohngebiet, in dem der Spielplatz liegt sehen wir wieder fast niemanden auf der Straße. Das ist eine seltsame Gegend - nur Einfamilienhäuser, man sieht an den Kindersitzen in den Autos und dem Spielzeug und ähnlichem vor den Häusern, dass dort wohl eine Menge Kinder wohnen müssten. Aber egal, wann wir dort sind, man sieht so gut wie nie Kinder draußen. Man hört auch keine Kinder, die im Garten spielen. Es ist immer gespenstisch still. So auch heute.

Wir begegnen genau einer Frau mit drei Kindern, ca. 5, 3 und Baby. Sie sieht sehr müde aus und schlurft eher als das sie geht. Auf dem Spielplatz, wo wir für einige Zeit alle sind und uns ein wenig unterhalten, erfahre ich auch warum: Das Baby ist erst 3 Wochen alt. Daran wie sie sich bewegt und auch ihrer Tochter sagt, dass sie sie leider nicht auf die Schaukel hochheben kann vermute ich einen Kaiserschnitt. Ich will anbieten, das Kind auf die Schaukel zu heben und vielleicht auch anzuschubsen, damit sie sich auf die Bank setzen kann, aber dann fällt mir ein, dass das wegen Corona wohl eine blöde Idee ist. Zumal sie auch von sich einen ziemlichen Eiertanz macht, um Abstand zu uns zu halten. Das verstehe ich natürlich und nehme ihr den Eiertanz nicht übel, aber finde die Situation an sich blöd. Scheiß- Corona, ich bin froh wenn dieser Mist endlich vorbei ist.

Auf dem Rückweg treffen wir zufällig den Mann, der nach dem Mittagsschlaf noch einen kleinen Spaziergang gemacht hat, um etwas Sonne zu tanken. Zu Hause will das Kind dann bei uns auf der Straße (die in der Sonne liegt und nicht vereist ist) ein bisschen Fahrradfahren üben.

Nach insgesamt 2 Stunden an der frischen Luft ist der Kleine ausgezeichnet gelaunt und ausgeglichen. Er spielt sehr schön alleine, während der Mann staubsaugt und ich Nachrichten lese. Die Ereignisse in den USA beschäftigen mich stark. Eigentlich hatte ich ja eine Twitterpause einlegen wollen, aber Twitter ist um schnelle Infos zu bekommen einfach unschlagbar. Bei Tagesschau.de oder ähnlichen Seiten kommen die Infos erst viel später an. Ich entwickle lady-crushes für AOC und Nancy Pelosi (letztere ist 80! Wahnsinn. So eine tolle Frau) und ein eher morbides Interesse für Mike Pence.

Ein totaler Hardliner, langjähriger Weggefährte von Trump, weigert sich dienstags als der Präsident ihn bittet doch mal zu überlegen, wie er weiter an der Macht bleiben könne, wird am Mittwoch als "Verräter" vom Mob im Capitol gesucht, der schon einen Galgen für ihn aufbaut (!), muss sich samt Familie in Sicherheit bringen, während das weiße Haus einen feuchten Dreck schert, ob der Vizepräsident in Sicherheit ist, macht dann die Stimmenauszählung als wäre nichts gewesen, sagt jetzt er würde an der Vereidigung Bidens teilnehmen weil Trump nicht kommt - ein wilder Ritt.

Ich habe erst nicht verstanden, warum er nachdem Trump offenbar nichts dagegen gehabt hätte, wenn der Mob ihn lyncht das 25th amendment nicht ziehen will. Aber als ich darüber so nachgedacht habe kam ich zu dem Schluss, dass ihm wahrscheinlich der Arsch auf Grundeis vor Angst brennt. Er muss jetzt schon um sein Leben fürchten, wenn er jetzt noch derjenige ist, der diesen Bekloppten absetzt, hui. Es würde im Gegensatz zu einem Impeachment ja viel mehr von ihm direkt abhängen. Irgendwie kann ich verstehen, dass er jetzt vielleicht lieber den Kopf in den Sand stecken will und diese Angst größer ist als Rachegelüste.

Nachdem der Mann mit staubsaugen fertig ist, gehe ich noch eine Runde laufen. Weil ich ein klein wenig zu dünn angezogen bin entscheide ich mich dafür, nur 3 kam zu laufen und die dafür schnell. Das klappt gut, ich komme angenehm warm verschwitzt und mit schön leerem Kopf nach Hause.

Abends ist das Kind dann offenbar schon etwas müde, folglich haben wir ein bisschen Stress mit den Dauerthemen aufräumen und fernsehen. Wir sagen ihm ungefähr eine Stunde bevor Schlafenszeit ist, dass er jetzt anfangen sollte aufzuräumen und er wenn er mit dem Aufräumen fertig ist fernsehen kann. Heute schafft er es mit mehrmaligem Erinnern, 20 Minuten Zeit zu haben. Als der Fernseher dann aus geht (immer mit Ankündigung natürlich) findet er das nicht ok und weint. Ich tröste ihn (der Fernseher bleibt aber trotzdem natürlich aus) und trage ihn schonmal hoch, kuschel noch kurz mit ihm und ziehe ihn aus, während der Mann das Bad vorbereitet. Es gibt noch einen kurzen Zusammenbruch, weil er untröstlich ist, dass mein Mann im Bad das Licht angemacht hat obwohl er wollte, dass ich das Licht anmache. Wir trösten ihn wieder, atmen dabei ein paar Mal tief ein und aus und grinsen uns an wenn das Kind es nicht mitrkriegt. Kleindkindlogik, immer schön! In dem Fall aber ein klares Zeichen dafür, dass das Kind einfach durch ist und Zeit zum Schlafen ist.

Der Mann bringt das Kind ins Bett. Ich wische schnell den Boden im Wohnzimmer, höre den Mann um 20.06 Uhr die Treppe runterkommen (Kind war erwartungsgemäß sehr schnell eingeschlafen). Dann koch ich für morgen und übermorgen vor, während ich die Tortillalasagne im Ofen im Auge behalte, bezahle ich noch ein paar Rechnungen und fange diesen Blogeintrag an. Ich schreibe auf der Couch im Wohnzimmer zu Ende, wo der Mann Tatort guckt und bügelt.

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Samstag, 9. Januar 2021
Tagebuchbloggen 08.01.2021
Wieder prima geschlafen und den ganzen Tag gut gelaunt gewesen. Offenbar hat die Therapeutin am Dienstag mit einem richtig platziertem Satz in mir etwas Fundamentales zurechtgerückt. Irre, was das bewirken kann.

Im Büro ist heute kurzer Freitag, im Anschluss habe ich noch einen Facharzttermin. Beim Abholen vom Kind länger mit der Erzieherin geplaudert. Der Kleine wechselt grade von der Krippe in den Kindergarten - da läuft kitaintern mit der alten und der neuen Bezugserzieherin eine Eingewöhnung. Das hat diese Woche gut geklappt, er wollte am Nachmittag von selber in den Kindergarten und ist dort bis zum Abholen geblieben. Erfreulicherweise hat er dort auch das große Geschäft in die Toilette gemacht. Denn obwohl das Pipimachen in die Toilette inzwischen sehr zuverlässig klappt und das Kind ansonsten ohne Windel unterwegs ist, kündigt er den Stuhlgang verbal an und verlangt dafür eine Windel. Man hat uns geraten, ihn diesbezüglich nicht unter Druck zu setzen das Klo zu benutzen, das würde von selber kommen, insbesondere wenn er in den Kindergarten wechselt. Er ist ja auch erst drei, also ist das noch völlig im Rahmen.

Zum Abendesse mache ich eine Quiche Lorraine from scratch (wieder mit freundlicher Unterstützung meiner Küchenmaschine), die mir perfekt gelingt. Ich finde sie absolut köstlich, dem Mann schmeckt sie leider gar nicht. Das liegt aber offenbar daran, dass er das Gericht an sich nicht gut findet. Macht nichts.

Der Mann bringt das Kind ins Bett, etwas später als sonst, weil er in der Kita Mittagsschlaf gemacht hat. Der war eigentlich schon abgeschafft worden - man hatte uns aber vorgewarnt, dass der Wechsel von der Krippe in den Kindergarten für viele Kinder anstrengend ist, so dass sie dann oft doch wieder mittags schlafen. Das bedeutet, dass das Kind abends dann später müde ist. Für uns ein bisschen blöd, aber gut, ist eben so.

Ich telefoniere in der Zwischenzeit mit einer Freundin, und als der Mann gegen 21 Uhr dann runterkommt, zappen wir durch die Kanäle und bleiben an einer Doku hängen, in der ein Schreiner einen Horner (einen traditioneller Schlitten) baut. Die ganze Zeit sind wir neugierig, wie man das Ding denn nun fährt. Das wird aber in der Doku gar nicht gezeigt. Wir suchen auf Youtube, fallen in ein kleines Horner-Schlitten-Rennen rabbit hole und fühlen uns gut unterhalten.

Um 22.30 Uhr geht das Licht aus.

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Donnerstag, 7. Januar 2021
Tagebuchbloggen 07.01.2021
Prima geschlafen, fühle mich zufrieden mit mir und der Welt, sagt der Mann so locker witzelnd am Frühstückstisch: "und, glaubst du in den USA gibt es jetzt Bürgerkrieg?"

Ich so "Hä?"
Er: "Hä?"
Ich: "Nee, echt, wieso denn das?!"
Er: "Lebst Du hinterm Mond oder watt?"
Ich: "Da guck ich EINMAL abends nicht aufs Handy und spar mir Tagesschau und verpasse was Wichtiges?"
Er: "Krass, du hast das wirklich echt nicht mitgekriegt?"
Ich: "Neeeiiihen, jetzt sag doch mal was los ist."
Er: "Trumpanhänger haben das Capitol gestürmt, randaliert und versucht, die offizielle Wahlbestätigung Bidens zu verhindern. Mindestens eine Tote."
Ich: "Wieso hast Du mir das nicht erzählt, als ich gestern vom Joggen kam?"
Er: "Ich dachte, Du wüsstest das. Ich hatte keine Lust auf das Thema wollte mir nicht weiter die Laune verderben, deswegen habe ich es von mir aus nicht angesprochen".

So habe ich dann morgens Nachrichten nachgelesen, auch im Büro war es das Thema Nummer 1. Alle Leute fassungslos, aber im Großen und Ganzen nicht verwundert. Gefühlt lädt jeder im 10-Minuten-Takt einen anderen Nachrichtenticker neu.

Dazwischen versuche ich mich zu konzentrieren. Weiter Einarbeiten in Verwaltungskram, einer Bürgerin konnte ich mit einer Auskunft weiterhelfen.

Dann kurz nach der Mittagspause die Kollegin so "Oh, noch eine Schlappe für Ihren Ex-Chef".

Ich so: "Hmm, wieso?"
Sie: "Haben Sie es nicht gelesen?"
Ich: "Orr, da guck ich jetzt EINMAL für ne Stunde NICHT mehr bei den Nachrichten rein..."

Natürlich öffne ich die Online-Seite der hiesigen regionalen Zeitung und lese eine Meldung, die mir schlagartig die Laune verbessert. Ja, es macht praktisch jetzt keinen Unterschied mehr, weil ich da nicht mehr arbeite, aber die Genugtuung, dass ich Recht hatte ist dennoch enorm groß.

Allerdings habe ich jetzt ein bisschen Sorge, was sonst so alles passiert, wenn ich EINMAL eine paar Stunden Medienpause mache...

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