Dienstag, 25. Juni 2019
Vereinbarkeitsspagat: Wie läuft das bei uns? Intro
Oft werde ich gefragt, wie ich das denn schaffen würde, so mit Arbeit und Kind. Wer mich kennt weiß schon, dass die Frage an sich falsch gestellt ist. Richtig wäre "wie schaffen Du und Dein Mann das denn so mit Arbeit und Kind?" Es sei vorweg genommen, dass wir keine Großeltern in der Nähe wohnen haben, die regelmäßig helfen könnten.

Die Frage ist nicht ganz unberechtigt. Die Lebensbedingungen und die Infrastruktur hierzulande sind in der Tat im Normalfall nicht dafür ausgelegt, dass beide Eltern Vollzeit arbeiten und ohne zusätzliche Unterstützung auskommen. Ich kann nach einem halben Jahr ein erstes Fazit ziehen und folgende Dinge benennen, die dazu beitragen, dass mein Mann und ich es nicht nur "schaffen" sondern sogar sagen können, dass es so wie es ist bisher gut läuft und es uns gut geht:

1. Gleichberechtigte Elternschaft
2. Gute Kita mit erweiterten Betreuungszeiten
3. Organisation und Helferlein im Alltag
4. Privilegierte berufliche Situation
5. Gesundes Kind ohne überdurchschnittliche Bedürfnisse (also kein high-need Kind)
6. Hilfe im Notfall
7. Persönlicher Freiraum
8. Glück

Die Serie soll erstmal nur beschreiben, wie es bei uns läuft, was bei uns funktioniert und was nicht. Sie stellt keine Handlungsempfehlung dar und niemand, bei dem es anders ist soll sich deswegen ans Bein gepinkelt fühlen. Insbesondere weil einige Punkte nicht unserem Einfluss unterliegen. Wie unsere Familie tickt, stellt einen Weg von vielen möglichen dar.

Weiterhin ist unsere Sichtweise dadurch beschränkt, dass wir weiß, cis, hetero, zusammenlebend und finanziell gut gestellt sind. So ziemlich das einzige, was bei uns von der Norm abweicht ist, dass ich als Mutter eines unter Dreijährigen Vollzeit arbeite (ach ja, und mein Mann ist Ausländer, aber ein EU-Ausländer einer Nationalität, die so gut wie keinerlei negativen Vorurteilen oder Erschwernissen im Alltag ausgesetzt ist.) Das Unvertändnis, das mir schon deswegen entgegen schlägt lässt mich nur im Ansatz erahnen, wie vielen Mikroaggressionen LGBT, people of color, behinderte Menschen und viele andere marginalisierte Gruppen tagtäglich ausgesetzt sind.

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